Kitesurfen in Tarifa

Der Spot-Guide für Kite-Einsteiger und Profis

Tarifa, die Stadt am äußersten Zipfel Europas, seit den siebziger Jahren das Mekka der Windsurfer und Hippies. Und seit Jahrzehnten ganz oben auf meiner Liste der geplanten Kitereisen, bisher ist immer ein anderes Ziel dazwischen gekommen – aber jetzt ist es soweit, und ich murmle es immer wieder vor mich hin, weil wirklich ein kleiner und wohl gehegter Traum in Erfüllung geht: Ich fahre definitiv zum Kitesurfen nach Tarifa

Ok, die Windsicherheit zu dieser Jahreszeit in Tarifa ist nicht gerade die allerbeste – die Haupt-Kitesaison ist während der Sommermonate und der Levante hat eigentlich schon Winterpause – aber die Nebensaison in Tarifa bringt dafür andere Vorteile: Weniger los, günstigere Preise, entspannte Locals.

Klar, du kannst zu dieser Jahreszeit auch nach Brasilien zum Kitesurfen – aber das geht dann halt gleich ins Geld. „Wird schon Wind haben“ denke ich mir und packe den großen Kite sicherheitshalber mit ein. An einem schönen Tag Anfang November packen meine Freundin und ich unseren Sachen und machen uns auf den Weg gen Süden.  Was Anreise, Unterkunft und all die anderen reisewichtigen Infos betrifft, poste ich in den nächsten Tagen einen ausführlichen Bericht – hier soll es ausschließlich ums Surfen und Kitesurfen in und um Tarifa gehen. Das ist mein Spot-Check Tarifa!

Kitesurfen Tarifa Nebensaison

Anreise zum Kitesurfen nach Tarifa

Wir sind mit Norwegian Airlines nach Spanien geflogen. Der Preis von 150 Euro hin und zurück für zwei ist unschlagbar und ganz bestimmt der Nebensaison geschuldet. Die Norweger waren eine der wenigen Ausnahmen, wo mein Boardbag keine nervösen Gesichtszuckungen bei der Dame am Check-In hervorgerufen hat, außerdem gibt es an Bord während des ganzen Fluges W-Lan.

Kein Witz, das drahtlose Netz funktioniert hervorragend – ganz im Gegensatz zu unseren Freunde auf der Schiene! Kein Wunder also, dass sich Tarifa mehr und mehr zum Hotspot für digitale Nomaden entwickelt – cool, wenn man bereits an Bord sein erstes Webinar anbieten kann! Apropo digitale Nomaden – Johannes von webworktravel.com hat einen super ausführlichen Bericht über Tarifa geschrieben!

Von Malaga sind wir mit einem Mietwagen von doyouspain.com in zweieinhalb Stunden nach Tarifa gefahren. Es fahren auch Busse (nur in den Sommermonaten), allerdings ist der Mietwagenpreis (ca. 150 Euro für sechs Tage) unschlagbar und ein Auto vor Ort zum Kitesurfen ziemlich praktisch, da einige der Spots außerhalb liegen. Mehr zur Anreise bekommt ihr im nächsten Post, hier soll es ja eigentlich um Kitesurfen in Tarifa gehen. Also los!

Kitesurfen in Tarifa in der Nebensaison

Das Schöne am Kitesurfen in Tarifa ist, dass sich die Menge an Kitesurfern, Wellenreitern und Windsurfern am zehn Kilometer langen Strand verteilt. An jedem anderen Ort wäre die Masse nicht zu ertragen. Aber ohne den Strand wären wahrscheinlich auch nicht so viele Kitesurfer da – egal! Der Strand auf jeden Fall ist der Hammer. Und in der Nebensaison ist in Tarifa wirklich für jeden Kiter mehr als genug Platz da.  Im Grunde ist der Kitespot Tarifa zehn Kilometer lang – der Unterschied liegt in der Windrichtung, und was du dort vorfindest.

Wie erwähnt war ich in der Nebensaison zum Kitesurfen in Tarifa und kann diese Variante nur empfehlen. Klar, es ist nicht so windsicher wie im Sommer, aber ich hatte vier von sechs Tagen Wind. Die Temperaturen sind fantastisch, tagsüber bin ich in T-Shirt und kurzen Hosen unterwegs gewesen, auch das Wasser warm genug für einen 3/2-Neopren. Alle sind extrem entspannt, am Strand, in der Stadt und an den Spots. Hotels und Restaurants sind günstiger, auch wenn natürlich nur noch wenige aufhaben – aber das reicht. Mehr dazu kannst du in meinem Folge-Post über Tarifa lesen.

Kite-Material in Tarifa

Ich bin mit meinem TwinTip losgezogen und hab die 11,5 qm und 13,5 qm Schirme eingepackt – an zwei Tagen hätte der 9,5 qm sicher auch gut getan. Manchmal ist der Wind in Tarifa schwierig zu berechnen, da er gegen Nachmittag meistens zunimmt, außerdem sind je nach Strand ein paar Knoten Unterschied. Mit meinem 3/2-Neopren war ich gut bedient, einige verrückte Engländer sind allerdings auch in Boardshorts gefahren. Neo-Schuhe brauchst du eigentlich nicht.

Kitesurfen lernen in Tarifa

Tja, ein Kapitel, oder vielmehr ein ganzer Post für sich! In Tarifa gibt es mehr als 50 Kite- und Surfschulen. Ich selber habe keine ausgetestet – aber als kleiner Tip solltest du bei der Wahl deiner Schule auf folgende Kriterien achten:

  • Kitelehrer sind offiziell ausgebildet!

  • kleine Gruppengröße!

  • Theoriekurse inbegriffen!

  • Videoanalyse!

  • Alternativangebot bei Flaute!

  • Unterbringung im Camp!

  • gute Reviews!

Bedingungen zum Kitesurfen in Tarifa

Grundsätzlich gilt beim Kitesurfen in Tarifa folgendes: Der Levante ist ein thermischer Wind und nimmt im Verlauf des Tages zu. Die dominanten Windrichtungen in Tarifa sind Ost und West, beide Windrichtungen werden durch die Meerenge vor Gibraltar verstärkt.

Pustet der Wind aus Ost, dann hast du den Levante, ein thermischer Wind, der im Tagesverlauf wahrscheinlich noch zunehmen wird. An einigen Spots ist der Wind ablandig, Kite-Einsteiger sollten dann auf keinen Fall ohne Aufsicht ins Wasser!

Den Wind aus West nennen die Locals Poniente, dieser Wind ist meistens nicht ganz so stark, allerdings weniger böig und damit auch Anfänger-freundlich.

Zum Glück bietet die Kitesurf-Region rund um Tarifa so viele Möglichkeiten, dass jeder Kiter mit Sicherheit „seinen“ Spot finden wird.

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Punta Marroqui

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Campo de Futbol

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Playa Lances

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Punta de la Pena

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Playa Valdevaqueros

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Ensenada de Bolonia

Kitesurfspots in Tarifa

Punta Marroqui und Playa Chica

Los geht es mit dem Stadt-Spot. Vor ziemlich cooler Kulisse, der „Skyline“ von Tarifa, kannst du hier auch bei leichterem Wind kiten gehen. Der Levante pustet hier nämlich meisten etwas stärker, formt schöne Wellen bietet zwischen den Sets oder weiter draußen Flachwasser. Hier kann es allerdings auch recht schnell voll werden, denn die Locals und Pros sind meisten hier anzutreffen. Meines Wissens ist das Kitesurfen hier auch nur in der Nebensaison erlaubt! Wenn der Poniente pustet, ist das zu Beginn oft der einzige Spot, der wirklich funktioniert.

Campo de Futbol

Zweihundert Meter weiter südlich, der Spot liegt in der Abdeckung der Häuser – dadurch hast du hier eine schöne Speedpiste, allerdings auch jede Menge Böen. Kitesurf-Einsteiger sollten hier lieber nicht ins Wasser!

Landebahn oder Playa Lances

Auf der Straße nach Cadiz kommt ihr direkt hinter Tarifa an einer Tankstelle vorbei, dann noch schnell über die Brücke und direkt am Anfang des Pinienwäldchens links abbiegen in Richtung Strand.

Besonders während des Poniente kann es hier ordentlich pusten, auch die Wellen sind dann etwas chaotischer. Unter Anleitung können hier sicher auch Anfänger ins Wasser, der auflandige Wind gibt dei nötige Sicherheit. Bei Levante allerdings nur für erfahrene Wellen-Kiter zu empfehlen. Bei Poniente ist das der beliebteste Spot, da er hier meistens am stärksten pustet.

Punta de la Pena

Du fährst einfach weiter auf der Straße in Richtung Cadiz und biegst am Schild „Dos Mares“ ab. Dort findest du auch eine Kiteschule und ein Surfcenter, wo du Material ausleihen kannst. Im Arte Vidal können sich auch Nicht-kiter super die Zeit bei Kaffe und/oder Essen vertreiben (WiFi).

Die Bedingung gleichen denen der Landebahn – aber Achtung: Steine im Wasser!

Playa Valdevaqueros

Bevor die Straße ins Landesinnere abbiegt hältst du dich nach der Bäckerei links und nimmst eine der Einfahrten in Richtung Strand. je nachdem welche du erwischt, landest du entweder auf einem normalen Parkplatz, auf dem Campingplatz oder am Las Duna – einem Paradies für Wohnwagen und Bullies. Auch Nicht-kitende Partner werden hier ihren Spaß haben – der Vibe hier draußen ist ziemlich entspannt, im Restaurant kannst du gemütlich etwas trinken, den Boardsportlern zuschauen oder das Internet nutzen.

Der letzte Strand in der Bucht von Tarifa. Im Grunde gibt es hier drei Spots: Valdevaqueros, Spin Out und Las Dunas. Die Bedingungen an den Spots sind ähnlich, je nach Windrichtung unterscheiden sich die Wellen und die Stärke des Windes. Bei Levante findest du hier moderate Wellen vor, auf dem kleinen See zwischen Strand und Parkplatz kannst du auch Flachwasser-Kiten. Durch den Düsen-Effekt ist hier meistens etwas mehr Wind als im vorderen Teil der Bucht.

Wenn der Poniente pustet, dann nimmt der Wind hier im Tagesverlauf eher zu.

Ensenada de Bolonia

Wenn du 15 Minten weiter auf der Straße in Richtung Cadiz fährst, dann landest du im kleinen Küstenstädtchen Bolonia. Abgesehen vom echt tollen Strand ist das hier dein Starkwind- und Wellenspot. Wenn der Levante sonst überall zu heftig bläst, hast du hier ein bis zwei Knoten weniger und die Wellen laufen ordentlich in die Bucht.

Spot Check Tarifa

Fazit – Tarifa lohnt sich vor allem in der Nebensaison!

Kitesurfen in Tarifa ist immer der Hammer – du findest hier in einem relativ kleinen Umkreis viele verschiedene Spots, die je nach Windrichtung surfbar sind. Dazu die entspannten Leute, das tolle Essen und der ziemlich coole Lifestyle. Du findest hier am zehn Kilometer langen Strand deine Ruhe, genauso gut kannst du aber auch bis in die Puppen abfeiern gehen.

Kitesurfen in Tarifa in der Nebensaison ist nochmal einen Tick besser als in den Sommermonaten – das ist meine Meinung. Du hast überall noch mehr Platz, die Preise in Restaurants und Unterkünften gehen runter und die Locals sind richtig gut drauf. Mit ein wenig Glück ist das Wetter top mit Temperaturen über 20 Grad und die Windausbeute für Kitesurfer mehr als gut! Ich würde diesen Trip jederzeit wiederholen. Und ihr?

Sollte mal Flaute sein, dann gibt es in Tarifa selber und in der Nähe genügend Spots zum Wellenreiten – schau dir dazu doch meinen Spot-Guide über El Palmar und den Post zum Surfen in Andalusien an!

Warst du auch schon mal in Tarifa zum Kitesurfen und hast ein paar gute Tips, die hier noch fehlen? Planst du einen Kitesurf-Trip nach Tarifa und brauchst noch mehr Informationen – immer her damit!

9 Kommentare
  1. Janis
    Janis says:

    Hey!
    Bin derzeit mit dem Bike auf einer längeren Reise (von München) unterwegs und werde ab Anfang Dezember im Süden Spaniens ankommen. Überlege dort einen kiteboard Anfängerkurs zu machen.

    Mir ist nach wie vor unklar ob ich dafür eher tarifa oder zB kanaren (fuerteventura) wählen sollte.

    Danke für eure Infos!
    Cheers Janis
    https://janisflyhigh.wordpress.com

    Antworten
  2. GO! Travel & More
    GO! Travel & More says:

    Hi Stefan,
    netter Bericht über Tarifa in der Nebensaison.
    Das Winterhalbjahr ist einfach die schönste Zeit.
    Wir sind seid vielen Jahren mit einer Gruppe über den Jahreswechsel in Tarifa. Der Kontrast zu Nordeuropa ist dann einfach groß und man kann den Sonnenakku bei günstigen Preisen aufladen.
    Saludos!
    Dirk – GO! Travel & More

    Antworten
  3. Tanja
    Tanja says:

    Hey. Super Artikel und ich vertrete deine Meinung mit der Nebensaison.
    Ich habe vor 7 Jahren mine Kitesurfschule Free your Mind in Tarifa gegründet und wir haben einen kleinen aber feinen Shop der das ganze Jahr geöffnet hat und sich auf euch freut. Nicht nur um Kiten zu lernen, sondern auch für sonstige Infos und gemeinschaftliches Zusammensein. Cooler Blog, mach weiter so! 😉

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