Surfen und Arbeiten #12 – wie geht Surf-Work-Balance?

Boarderlines mit Surf-Literat Andi Brendt

Boarderlines

Es war jetzt länger ruhig in meiner Post-Serie „Surf-Work-Balance“ – höchste Zeit also, mal wieder einen Surfer nach seinen Surf-Arbeits-Gewohnheiten zu befragen. Und da eignet sich doch niemand besser, als der deutsche Surf-Literat schlechthin – mit seinen Surf-Büchern hat Andi Brendt dem deutschen Landlocked-Surfer ein Denkmal gesetzt!

„Andi Brendt, Andi Brendt – verdammt nochmal, den Namen kenn ich doch,“ dachte ich als ich das Buch „Boarderlines“ im Regal stehen sah. Aber woher nur? Auf den ersten paar Seiten brachte mich dann Audi indirekt auf die Idee – wir haben einen gemeinsam Surfbuddy, der im Buch namentlich erwähnt wird und mir irgendwann mal von Andi erzählt hatte.

Wir kennen uns also über die berühmten zwei Ecken, allerdings dürfte dieses Gefühl ziemlich einseitig sein. Ich habe schließlich beide Bücher, Boarderlines und Boarderlines – Fuck you Happines, von unserem deutschen Surf-Schriftsteller gelesen und seitdem das Gefühl, dass ich den Jungen ziemlich gut kenne. Über seine Geschichten konnte ich nicht nur herzlich lachen, sondern habe mich in vielem wiedererkannt und mich an meine Zeit auf Surftrip-Weltreise erinnert.

Höchste Zeit also, mich mal persönlich vorzustellen und nachzufragen, was denn aus dem „Surfer-Lehrer-Schriftsteller-Andi“ geworden ist und wie er seine Surf-Work-Balance gestaltet.

Boarderlines

Hier kannst du nachlesen, wie andere Surfer ihre Surf-Work-Balance organisieren:

Surf-Work Balance mit Fuck you Happiness

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Hi Andi, ich weiß nach den beiden Büchern über dich Bescheid – aber stell dich doch mal kurz den Lesern vor.

Andi
Ich bin Andi und habe zwei Bücher über Reisen, Abenteuer und das Leben geschrieben: Boarderlines und Boarderlines – Fuck you Happiness. Dabei habe ich stilistisch alles daran gesetzt, dass der Leser mitfühlt. Er soll nicht nur das Meer rauschen und die Moskitos summen hören, sondern Herzrasen bekommen, staunen, die Luft anhalten, vielleicht mal eine Träne verdrücken oder und vor allen: Laut losprusten. Ach ja, seit 2017 habe ich eine Veranstaltungsreihe gestartet, mit der ich durch Deutschland toure: Wie schnell ist nix passiert!

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Wie hat deine Leidenschaft „Wellenreiten“ begonnen?

Andi
Vor über 20 Jahren kam ein Kumpel auf die Idee zu verreisen und hatte eine Insel namens Bali im Blick. Der Trip hat mein Leben sehr verändert 🙂

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War es dein Plan, mit dem Surfen Geld zu verdienen, also das berühmte „Hobby zum Beruf“ machen?

Andi
Ich habe immer alles daran gesetzt, das mit dem Geld verdienen so einzurichten, dass ich viel reisen und viel Zeit im Meer verbringen kann. Zunächst habe ich zehn Jahre Deutschlands größtes Surfcamp geleitet und dabei so viel Spaß gehabt. Eine tolle Zeit in Frankreich. Neben den Sommermonaten am Atlantik hatte ich in der Offseason viel Zeit, um die Welt zu reisen. Der perfekte Lebensentwurf. Nach einer Weile hat mir dann ein stabileres Umfeld gefehlt und ich bin nach Deutschland zurückgekehrt. Dort bin ich Lehrer geworden und darf somit drei Monate im Jahr surfen und alle zwei Jahre ein Sabbatjahr einlegen, in dem ich schreibe, und surfe 🙂

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„Keiner kennt die Vorfreude wie wir sie kennen“

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Wann und wie wurde Dir klar, dass du nicht immer nur Surfen kannst, sondern auch irgendwann mal Geld verdienen musst?

Andi
Das mit dem Geld verdienen müssen, war immer klar. Aber auch, dass wir Deutsche viele Möglichkeiten haben. Entweder als Surflehrer oder in einem „normalen“ Job im Ausland. Oder ein paar Monate hier richtig ranklotzen und dann auf in die Freiheit, um mit harten Devisen lange in der Dritten Welt leben zu können. Deutscher sein ist ein großes Privileg und wir können uns sehr glücklich schätzen. Natürlich haben wir keinen Ozean, aber selbst das kann ein Geschenk sein. Kaum ein Australier oder Hawaiianer kennt die Vorfreude, die wir kennen.

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Wie kam dir die Idee zu deinen Büchern?

Andi
Ich bin mal ein paar Jahre nur noch gereist und habe in dieser Zeit immer Reisemails an meine Freunde geschrieben, um den Kontakt nach Hause nicht ganz zu verlieren. Als Rückmeldung kamen eine Menge Smileys und die Idee: Da  musst du mal ein Buch draus machen. Damit war etwas in meinem Hinterkopf und fünf Jahre später habe ich dann losgelegt und alles reingewuchtet, was in mir steckt.

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Ist das deine Art, dem Frust des „landlocked-Surfers“ zu entfliehen?

Andi
Nein. Wenn ich schreibe, kann ich meistens auch surfen. Ich kann nur schreiben, wenn ich sonst nichts tun muss. Dann lebe ich Buch. Es ist total faszinierend, wenn der Tag daraus besteht, morgens ein paar Stunden zu surfen und dann ab mittags an einem Projekt mit Herzblut zu sitzen und etwas zu schaffen, was die Menschen erreichen und hoffentlich auch bewegen wird. Egal wie. Alles ist so intensiv. Im Meer körperlich, emotional, einfach sein, wunderbar. Dann am Schreibtisch fast ganz ähnlich: Kopfarbeit, Gefühle, Frust und Euphorie. Und Flow (an den guten Tagen :))

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Drei Surfertypen meistern das Leben

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Hast du deinen Job so ausgesucht, dass du genug Zeit zum Surfen hast? Oder hast du dich auf den Job konzentriert und das Surfen findet irgendwo Platz?

Andi
Zum Glück habe ich nun ein Arbeitsumfeld, was mir genug Zeit zum Surfen schenkt. Aber gerade jetzt, in diesem Moment, fehlt mir das Meer sehr. Vielleicht habe ich zu viele Facebook Bilder gesehen. Irgendwie surfen gerade alle – nur ich nicht. Naja, in diesen Augenblicken sollte ich mal dieses ´Atmen´ versuchen 🙂 und mich daran erinnern, dass alles gut wird. Nein: Ist. Arbeit und Surfen ist beides wichtig für mich. Es sind zwei Seiten des Lebens. Wie Yin und Yang und nur dadurch, dass es beides gibt, entsteht dieser schöne Wechsel im Leben.

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Kannst du einen heißen Tipp geben, wie man seine Surf-Work-Balance gut hinbekommt?

Andi
Es gibt drei Möglichkeiten und zunächst sollte man herausfinden, welcher Typ man ist. Das ist meistens der schwierige Part. Wer bin ich und was wünscht sich mein Herz. Also, möchte ich im Ausland leben und ´richtig´ arbeiten (als Lehrer, Versicherungskaufmann oder Friseur). Möchte ich einen Job am Strand (Lifeguard, Surflehrer, Eisverkäufer) oder macht es mehr Sinn, hier Kohle zu scheffeln und damit aufzubrechen. Dann kommt der einfache Part: Einfach machen. Das klingt verrückt, aber ich glaube fest daran, dass man, sobald man weiss, was man möchte, das auch hinbekommt. Das soll eine Ermutigung sein und eins kann ich versichern: Es kann nichts schief gehen. Alles ist gut! (Wenn dann doch was schief geht, wird ein paar Wochen später zu einer tollen Geschichte 🙂 )

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Was lernst du durch das Surfen für dein Arbeitsleben?

Andi
Hauptsächlich, dass wir nicht alles unter Kontrolle haben. Manche Dinge sind nur mal so, wie sie sind. Mal gibt es keine Wellen, mal läuft´s im Job nicht rund. Heulen bringt da wenig (auch wenn mir das im ersten Fall durchaus passieren kann 🙂 )

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„Nur Surfen ist langweilig“

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Was ist dir heute wichtiger: Surfen oder der Job?

Andi
Beides wäre ohne das andere nur halb so schön. Meistens surfe ich aber deutlich lieber, als das ich arbeite – vermutlich ist das recht normal 🙂

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Würdest du das Surfen für deinen Job aufgeben?

Andi
Ich würde immer arbeiten. Wenn dieses leidige Geld-Verdienen-Müssen nicht mehr da wäre, würde ich etwas mehr surfen und anders ar

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Angenommen du gewinnst viel Geld – würdest du deinen Job aufgeben und nur noch surfen?

Andi
Nur noch surfen finde ich total langweilig. Auch wenn ich das als allererstes mal ein paar Monate ausschließlich tun würde.

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Welche Voraussetzungen müssten für dich gegeben sein, damit du an einen Surfspot ziehst? Wo wäre das?

Andi
Schöne Wellen und warmes Wasser. Keine Crowds und ganz viele Freunde in der Nachbarschaft. Ich suche noch…

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Ein drittes Buch in der Pipeline?

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In deinem Buch schreibst du, dass du ein Stück Land in Costa Rica gekauft hast – was planst du damit?

Andi
Mein Hauptproblem ist Zeit. Und das ist natürlich Quatsch. Ich höre mich immer wieder sagen: ich habe keine Zeit. Dabei haben wir alle gleich viel Zeit und diejenigen, die das Gefühl haben, es sei zu wenig, dürfen sich glücklich schätzen, denn sie bekommen viele Möglichkeiten. Zur Frage: Ich habe keine Ahnung und das ist auf der Liste relativ weit unten. Vielleicht wird’s mein Rentnerdomizil, vielleicht mach ich mal ein Surfhostel auf. Jetzt gerade stehen aber ganz viele andere Dinge auf der Agenda. Alles rund um´s Buch und alles rund um die Veranstaltungen. Und natürlich Privatleben. Also mein Schatz (mein Surfbr… ähh, meine Freundin), aber auch Familie und Freunde.

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Wie geht es bei Dir weiter – schon ein neues Buch geplant?

Andi
Am liebsten würde ich sofort anfangen. Es trudeln immer wieder Ideen ein, nur leider kann ich mich nicht so richtig mit denen auseinandersetzen, weil ich ja Geld verdienen muss. Der Prolog steht aber schon. Momentan stellt sich die Frage, ob ich das Schreiben vielleicht mal hauptberuflich angehen kann und da ist viel Marketingarbeit notwendig, weil die Bücher ja vom Geheimtipp zum Spiegel-Bestseller werden sollen. Wenn das passiert, kann und werde ich sofort weiterschreiben. Hier sind die Leser gefragt, denn die müssen es weitersagen und vermehren 🙂. Wenn alles bleibt, wie es ist, ist das auch super. Die Bücher gefallen, viele Leute schreiben mir ganz tolle Emails (DANKE!!!) und ich schau im nächsten Jahr ganz spontan, wonach ich mich fühle. Dann beginnt das nächste Sabbatjahr und somit habe ich Zeit zu schreiben oder einfach mal Nichts tun und surfen…

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Andi, danke für das Interview! Viel Glück mit deinen Projekten und hoffentlich bis bald mal im Line-Up!

Informiere dich hier, wie andere Surfer ihre Surf-Work-Balance organisieren

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