Kitesurfen in Polen

Kitesurfen in Polen – Himmel und Hölle auf der Insel Hel

Polen ist das Nachbarland, dass von uns Deutschen am meisten mit Klisches bedacht wird – und die meisten sind nicht gerade positiv. Ich weiß gar nicht, was das soll – alles völlig zu unrecht, wie ich bei meinem letzten Kitesurf-Trip feststellen durfte. Ok, die jüngste politische Entwicklung mal außen vor gelassen (dafür sind andere Blogs und Seiten zuständig) – keins der Vorurteile hat sich bestätigt. Die Menschen sind echt nett, mein Auto ist NICHT geklaut worden und überhaupt ist Kitesurfen in Polen ´ne Wucht. 

Wie würdest du einen Ort bezeichnen wo es viel Wind, viele verschiedene Bedingungen und einen Stehbereich gibt, soweit die Füße tragen? Und wo, außer den Locals (im Sommer), sonst kaum jemand hinfährt? Richtig – Geheimtip! Kitesurfen in Polen ist, zumindest außerhalb Polens, wohl so etwas wie das bekannteste Geheimnis in Europas Kitesurf-Szene!

Kitesurfen in Polen

Mir soll´s recht sein! Blöde Klischees sind anscheinend verantwortlich dafür, dass ich den Spot für mich hab – na ja, für mich und ein paar hundert polnische Kitesurfer – aber dazu gleich mehr!

Die Danziger Bucht und die Halbinsel Hel sind zum Kitesurfen der Knaller – oder wo findest du schon ein Wellenspot 200 Meter neben dem riesigen Flachwasserspot mit einem Stehbereich bis zum Horizont?

Auf Hel kannst du von einer Spot-Bedingung zur anderen marschieren – einfach rüber über die schmale Insel und weiter geht´s im neuen Revier! Locals haben mir erzählt, dass der ein oder andere an der schmalsten Stelle über das Eiland gesprungen ist – allerdings hat dabei ein Auge heftig gezuckt! So oder so: Die fußläufige Abwechslung ist einfach der Hammer – wie Ying und Yang, schwarz und weiß, Himmel und Hölle!

Ich an deiner Stelle würde mir Kitesurfen in Polen auf die Bucket-List packen – du wirst feststellen, wie geil Polen ist: zum Urlaub machen und vor allem zum Kitesurfen!

In meinem Spot-Check Polen erfährst du alles, was du für deinen nächsten Kite-Trip wissen solltest!

Der Quick-Check zu Kitesurfen in Polen

  • günstiges Reiseland
  • perfekt zum Kitesurfen lernen
  • riesiges Stehrevier
  • viele verschiedene Bedingungen
  • riesige Bucht, perfekt für Kite-Einsteiger
  • endlose Sandstrände
  • Viel zu tun bei Flaute
  • sehr crowded in der Hochsaison
  • keine Windgarantie
  • oft böiger Wind
Kitesurfen in Polen

Generelle Bedingungen zum Kitesurfen in Polen

Zwischen der Grenze und der Halbinsel Hel findest du schon jede Menge toller Ostsee-Kitespots – bei einem Kite-Trip nach Polen darf allerdings die Halbinsel Hel und die dazugehörige Bucht auf keinen Fall fehlen.

Die Danziger Bucht ist das Epi-Zentrum des Kitesurfens in Polen: Auf der einen Seite die Ostsee, auf der anderen wahrscheinlich eins der größten Stehreviere Europas! Teilweise ist die Halbinsel nur zweihundert Meter breit – solltest du also mal spontan Bock auf andere Bedingungen habe, marschierst du einfach mit deinem Material auf die andere Seite der Insel!

Beste Windzeit: März-Mai, Mitte August-Oktober

In Polen findest du, logischerweise, die typischen Ostseebedingungen vor. Von Hack bei großen Wellen in eisigen Temperaturen bis zur gigantisches Flachwasser-Session in Boardshorts ist alles möglich. Außer im absoluten Hochsommer wirst du hier selten Tage erleben, an denen gar nichts geht.

Ich war Anfang August zum Kitesurfen in Polen und war an fünf von sechs Tagen auf dem Wasser. Dabei hatte ich meinen 9qm, 12qm und 14qm-Schirm dabei. Hauptsächlich hatte ich den großen Schirm in der Luft, gegen Abend war hin und wieder auch der 12er angesagt. Ich würde auf jeden Fall den größten Schirm deiner Range einpacken, dazu noch ein Tuch ein paar Nummern kleiner.

Wassertemperatur

Juli und August ist sicher der ein oder andere Tag dabei, an dem du in Boardshorts kiten kannst, ansonsten würde ich zum 3/2 Neopren und vor April und nach Oktober zum dicksten Anzug in deinem Besitz raten. Bei seatemperature.org kannst du dich immer über den aktuellen Stand informieren!

Bedingungen auf dem Wasser

An der polnischen Ostseeküste findest du die Bedingungen, die du von Pelzerhaken, Fehmarn und Co. kennst: Kurze bis riesige Welle, je nach Windrichtung auch mal flach in einer Bucht.

Ich war in der Gegend der Danziger Bucht unterwegs – der große Vorteil hier sind die vielen verschiedenen Bedingungen: Außerhalb der Bucht Welle, an der Innenseite Flachwasser und Stehbereich.

Crowd-Faktor

Kitesurfen in Polen bedeutet Platz ohne Ende – außer im August!

Dann machen die Polen Urlaub – und die Halbinsel Hel ist eins der beliebtesten Reiseziele in Polen. Wenn du in dieser Zeit zum Kitesurfen nach Polen kommst, dann solltest du entweder auf Hel bleiben oder aber deinen Ausflug auf die Insel sehr, sehr früh starten.

Ich bin die meiste Zeit in Rewa geblieben und entweder mit dem Zug nach Hel oder aber noch vor dem Frühstück in Richtung Insel los gefahren.

Außerhalb der Sommerferien ist hier sicher auch was los auf dem Wasser, aber die Masse verteilt sich – der Platz hier ist wirklich endlos!

Kosten für einen Kitesurftrip nach Polen

Je nach Anreise (siehe folgenden Abschnitt) musst du dein Budget einplanen – vor Ort bleibt deine Reisekasse relativ gut in Schuss. Ein leckeres Abendessen bekommst du für ungefähr acht Euro, ein Bier kostet zwei Scheine, die Unterkunft kostet von zehn bis 50 Euro (Holzhäuschen bis Hotel).

Die Kosten für einen Kitekurs und Material findest du hier!

Wie du zum Kitesurfen nach Polen kommst

Bei den richtigen Windbedingungen mit einem gigantischen Downwinder von Fehmarn direkt nach Hel ;-)! Solltest du dafür keine Zeit haben, dann schaffst du es mit dem Auto von Hamburg aus in knapp zehn Stunden.

Wizz-Air fliegt von Hamburg zweimal wöchentlich direkt nach Danzig – hin und zurück habe ich rund 120 Euro bezahlt, das Kitegepäck kostet 30 Euro pro Weg extra (32 Kilo).

Mit dem Zug kommst du direkt vom Flughafen in die Danziger Bucht oder auf die Insel Hel. Die Zugfahrt kostet rund 15 Euro.

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Damit du am Check-In nicht böse überrascht wirst, downloade dir hier meine Liste mit allen wichtigen Airlines und den Bestimmungen für Bordbags.

Kitesurfen lernen in Polen

Du kannst in einem der größten Stehbereiche Europas lernen. Es ist wirklich beeindruckend – ich persönlich habe es noch nie erlebt, dass du mehrere hundert Meter raus in die Bucht laufen kannst und immer noch nur hüfttief im Wasser stehst. Kiten lernen ist hier sprichwörtlich ein Spaziergang!

Das Angebot an Kiteschulen auf der Insel Hel ist groß. Hier kann ich dir keine direkte Empfehlung ausprechen, da ich keine der Schulen selber getestet habe. Hier findest du aber ein Auswahl an Schulen.

Empfehlen kann ich dir aber die Kiteschule Rewasurf in Rewa. Ausgebildete Lehrer kümmern sich hier um dich, es gibt ein Boot, dass dich gegebenfalls einsammelt und hey, falls alles schief geht – irgendwo ist die Bucht immer zu Ende!

Kurzum: Die Danziger Bucht ist der perfekte Ort, um Kitesurfen zu lernen.

Kitesurfen in Polen

Die Kite-Spots an der polnischen Ostseeküste und in der Danziger Bucht

Wie bereits erwähnt gibt es unzählige Spots zwischen der Grenze und der Danziger Bucht, drei davon habe ich getestet – hier ist dein Spot-Check zum Kitesurfen in Polen!

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Kitesurfen in Polen

1.Leba

Leba ist ein übersichtlicher Ort, der im August allerdings aus allen Nähten platzt. Irgendwie schön, aber auch ziemlich touristisch – vielleicht vergleichbar mit Travemünde in der Lübecker Bucht.

Der Kitespot befindet sich außerhalb des Ortes – fahr rund zehn Minuten an der Küstenstraße „Turystyczna“ nach Westen zum Camping Eurocamp. Dein Auto kannst du für 15 Szloti (rund vier Euro) den ganzen Tag bewacht in einem kleinen Pinienwald parken, direkt daneben befindet sich der Campingplatz. Ansonsten gibt es in Leba selber jede Menge Hotels, Pensionen oder Airbnb-Möglichkeiten.

Die Bedingungen am Kitespot sind die typischen Ostsee-Bedingungen – breiter Strand, kleine Duhnen im Wasser, ein Mix aus kurzer Welle und etwas größeren Wellen. Du hast genug Platz, um dein Material aufzubauen, es gibt keine ausgewiesene Kitezone, allerdings würde ich den beginnenden Nationalpark links des Strandabschnittes eher meiden.

Direkt vor der Ortschaft Rewa befindet auch noch sich der Sarbsko-See (Kreisverkehr Abzweigung Stekniza, Wegweiser „Windsurfen“), der ein tolles Flachwasser-Revier als Alternative zur rauhen Ostsee sein kann. Der See ist in großen Bereich stehtief.

Kitesurfen in Polen

2. Rewa

Im Gegensatz zu Leba ist Rewa in den Sommermonaten gut besucht, aber nicht völlig überlaufen. Der ehemalige Fischerort hat sich seinen Charme bewahrt – wer es lieber ruhiger mag und keine Lust auf Party hat, der ist in Rewa gut aufgehoben. Rewa ist an der Festlandseite der Danziger Bucht, wer von dort nach Hel möchte, kann das mit einem Schnellboot, dem Auto oder dem Zug machen. Von Rewa ist man in rund 30 Minuten in Danzig und in 15 Minuten in Soppot.

Der Kitespot befindet sich direkt „im“ Ort – und ist von überall zu Fuß gut zu erreichen. Die kleine Landzunge haben die Kitesurfen für sich eingenommen – hier findest du Platz, um dein Material aufzubauen oder ein wenig abzuhängen und den anderen beim Kiten zuzusehen. Je nach Windrichtung findest du auf der einen Seite der Landzunge den perfekten Flachwasserspot, auf der anderen eine kurze Welle.

Auch hier ist das Stehrevier gefühlt endlos, vor allem innerhalb der Landzunge kannst du hunderte Meter im Wasser marschieren. Für geübte Kiter kann es etwas nervig werden, da die Kiteschule auf der Spitze der Landzunge schult und die Kite-Schüler teilweise den Flachwasserbereich für sich einnehmen. Die Kite- und WIndsurfschule Rewasurf bietet Kitekurse und Material an.

In Rewa gibt es genügend kleine Pensionen und ein paar Hotels wo du unterkommen kannst. Ich habe in einem kleinen Holzhaus im Hinterhof gewohnt – für rund 20 Euro die Nacht!

3. Halbinsel Hel/ Chalupy 3

Die Halbinsel Hel ist rund 40 Kilometer lang, im Abstand von ein paar Kilometern sind sogenannte Stationen auf der Seite der Bucht – hier kannst du Kitesurfen gehen, Essen, Übernachten und abhängen. Ich war bei der „Station“ Chalupy 3 ziemlich am Anfang der Insel – hier ist ein Restaurant, der Campingplatz, der „Strand“ und die Kitezone.

Der Bereich, wo du dein Material aufbauen und starten kannst, ist ungefähr so groß wie ein Tennisplatz – Kite-Anfängern würde ich nicht empfehlen, hier kiten zu gehen. Die Locals sind relativ schmerzfrei und starten halb an Land, halb im Wasser – und das ganze kreuz und quer. In Deutschland würden sich die Kiter für einige der Aktionen an die Gurgel gehen – die Polen sehen das Ganze gelassener.

Die Bedingungen auf dem Wasser allerdings sind top – viel Flachwasser, viel Stehrevier, einfach perfekt, um neue Moves und Manöver zu üben! Im August ist viel Betrieb auf dem Wasser, ansonsten gleicht das Ganze einer riesigen Spielwiese für Kitesurfer.

Und das Beste ist, bei genug Wind kannst du einfach die Inselseite wechseln – 200 meter Fußmarsch, rüber über die Straße, durch den kleinen Wald und über die Düne, und schon stehst du am wunderschönen Ostseestrand mit cooelm Wellenrevier!

Wer auf der Insel übernachten möchte, hat die Wahl zwischen Campingplatz, kleinen Pensionen und wenigen Hotels. Ansonsten macht es auch einfach Spaß, hier den Tag zu verbringen, Kitesurfen und am Strand abhängen im Wechsel – allerdings solltest du in der Hochsaison für die Fahrt auf und von der Insel viel Zeit einplanen.

Was tun bei Flaute?

Wasseraktivitäten

Die Polen lieben Wassersportarten – vom SUP bis Jetski wird hier alles angeboten, was irgendwie mit Wasser zu tun hat.

Sopot

Sopot ist ein altes polnisches Ostseebad und ein Heil- und Kurort. Schöne Promenade mit einer eindrücklichen Seebrücke – super für einen Tagesausflug!

Danzig

Geschichtsträchtige Stadt mit einer wunderschönen Altstadt – perfekt, um polnische Köstlichkeiten zu schnabulieren und die Kultur aufzusaugen. Der Dominikanermarkt ist ein super Flohmarkt mit Schmuck, Handwerkszeug und Essen.

Slowinzische Nationalpark

Hier kannst du mit der größten Wanderdüne Europas um die Wette laufen. Einfach wunderschön hier, die Pinienwälder erinnern mich an Süd-Frankreich.

Kitesurfen in Polen

Kitesurfen in Polen – mehr Himmel als Hölle

Ok, die überlaufenen Spots nerven – aber die Masse kommt im Sommer hier her, den Rest des Jahres ist die Zahl der Kitesurfer hier wirklich überschaubar! Außerdem weißt du ja nach diesem Post, was dich erwartet und wie du die Massen umsurfen kannst!

Ansonsten ist das Revier rund um die Danziger Bucht der (Kiter-)Himmel auf Erden – so viele verschiedenen Möglichkeiten und Bedingungen, so ein riesiges Stehrevier, dazu die guten Bedingungen an Land mit netten Menschen und günstigen Reisebedingungen.

Vor allem zum Kitesurfen lernen lohnt sich die Reise nach Polen – die Spots sind wie gemacht für Einsteiger, die Kurse günstig und gut.

Sicher, Polen als Urlaubs und-Kitedestination hört sich zuerst mal nicht so sexy an wie Karibik oder Kanaren – aber der Kitetrip zu unserem Nachbarn lohnt sich auf jeden Fall.

Und: Wer gibt schon was auf Klischees, oder?!

Warst du schon mal in Polen Kitesurfen? Hast du Fragen oder Anregungen zu diesem Beitrag? Ich freue mich über deinen Kommentar oder deine Mail!

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4 Kommentare
  1. Horry
    Horry says:

    Hi! Ich mache mich morgen auf nach Hel. Was mich aber ganz schön abschreckt ist der Platz an der Bucht. Wo bitte bauen die ganzen Leute Ihre Kites auf? Ich sehe überall nur 2m Strand. Besser vielleicht in Rewa aber wie läuft das in Hel? Wo am besten ran ABS Wasser?

    Antworten
    • Stefan Heinrich
      Stefan Heinrich says:

      Hi Horry, sorry für died späte Antwort – ich war grad selber auf einem Surftrip unterwegs.Es ist tatsächlich nur wenig Platz zum aufbauen auf Held, aber irgendwie geht das ja immer. Wo du in Hell Kiten gehst ist eigentlich egal, die Spots unterscheiden sich nicht sehr. Rewa ist deutlich entspannter und hat viel mehr Platz, bei Nord/Süd oder Ost ist das definitiv eine super alternative! Viel Spaß und guten Wind!!!! Stefan

      Antworten
  2. Miriam
    Miriam says:

    Mega cool, Hel steht auf jeden Fall noch auf der Kitesurf Bucket List!! Schön mal so einen detaillierten Spotbericht darüber zu lesen! Bis auf die nicht ganz ideale Windgarantie hört sich das aber alles ziemlich genial an 🙂 Danke dir für den ehrlichen Spot Guide!

    Windige Grüße aus Mexiko,
    Miriam

    Antworten

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