Bikini vs. Boardshorts

Der einzige Unterschied zwischen Mann und Frau im Line-Up?

Bikini oder Boardshorts – wer bestimmt in der Surfwelt? Eine Frage, die eigentlich keine sein sollte – und doch ist die Thematik Emanzipation, Frauenquote und Benachteiligung schon lange im Line-Up angekommen! Genau wie im Leben an Land sollten die Geschlechter auch am Surfspot gleichberechtigt sein, nur leider ist dies in der Realität nicht immer der Fall! Woher kommt das eigentlich? Wieso ist das so? Fragen, die ich mir immer mal wieder gestellt habe – und irgendwann auch Pana von TakeOffandTravel stellen durfte! Als Antwort gab es ehrliche und deutliche Worte – ein sehr interessanter Einblick in die Sichtweise einer weiblichen Surferin!

Ein Gastbeitrag von Pana Leontiadu

Seit Nov 2014 tingel ich mit meinem Surfbrett durch die Welt und bin auf der Suche nach neuen Erlebnissen in den Wellen. Jedes Mal wieder ergibt sich dabei eine spannende Kombi von Mensch, Wasser und Umgebung.

Etwas, das aber fast immer gleich bleibt, ist die Unterzahl der Frauen im Wasser (obwohl die Tendenz sicherlich steigend ist).

Eine Tatsache, die immer wieder Thema unter Surfern ist und die eine Frage nach sich zieht:

Was ist für Frauen im Line-Up anders als für Männer?

Etwas, über das ich auf jeden Fall länger nachdenken musste.

Denn obwohl ich eine Frau bin, ist das für mich kein ständiges Thema.

Hier dennoch der Versuch einer Antwort – aus meiner ganz persönlichen Sicht:

Mit den Augen eines Wellenjunkies. Alleinreisend. Mit Surfbrett. Anfang 30. (Platzhalter für viele andere Merkmale). Ach ja – und natürlich als Frau. Eine Tatsache, die sicherlich Aspekte mit einbringt, die sich aus Sicht eines Mannes vielleicht unterscheiden würden.

Gibt es überhaupt Unterschiede?

Naja, da wären zunächst einmal die offensichtlichen, körperlichen Unterschiede. Brüste, die einen guten Surfbikini benötigen; Haare auf der Brust, die am Wachs kleben bleiben…

Was ist aber mit den vielen Vorurteilen und Stereotypen, die einem immer wieder begegnen? Bekommen Frauen zum Beispiel wirklich keine Chance im Line-Up von den Männern? Und werden sie tatsächlich von Ihnen unterschätzt?

Hier mein klares Statement dazu:

Ich erlebe diese Dinge so nicht!

Ich hatte bisher kaum ein Problem mit Männern im Line-Up. Meist wurde ich sehr herzlich und offen aufgenommen und sogar eher supportet!

Ich persönlich fühle mich im Line-Up als Frau sehr wohl!

Friede, Freude, Eierkuchen – richtig?

Naja, schön wärs. Leider ist dem nicht so.

Denn natürlich gibt immer wieder Missgunst und schlechte Stimmung in den Line-Ups dieser Welt.

Allerdings habe ich das Gefühl, dass das kein Geschlecht kennt!

Arschlöcher sind dann aus Prinzip Arschlöcher… aufgrund ihres Charakters eben… nicht aufgrund ihres Geschlechtsteils. Der Feind dieses Arschlochs heißt dann eben Mensch!

Wir sprechen hier von Menschen, die das Prinzip eines Line-Ups nicht verstanden haben, bei denen Vorfahrt stehlen an der Tagesordnung ist und bei denen die Gesichtszüge scheinbar mit einem Tacker Richtung Boden befestigt wurden.

Dass das an dem Attribut „männlich“ festgemacht werden soll, macht für mich keinen Sinn!

Besonders wenn wir folgende Rechnung aufstellen:

Überzahl an Männern im Wasser = Überzahl an MÄNNLICHEN Arschlöchern im Wasser // Weniger Frauen im Wasser = geringere Wahrscheinlichkeit eines WEIBLICHEN Arschlochs im Wasser.

Heißt das, es gibt keine Männer im Line-Up, die gezielt Frauen im Line-Up das Leben erschweren?

Ach, na klar gibt es die… und solch gezielt sexistischen Situationen sind mir ein- bis zweimal untergekommen. Aber wie war das doch gleich nochmal mit den Arschlöchern? Und wie war das mit den Verallgemeinerungen?

Bikini oder Boardshorts – welche Unterschiede ich immer wieder feststelle!

Mehr Aufmerksamkeit!

Wenn du als Frau ins Line-Up kommst, dann ziehst du automatisch schneller Aufmerksamkeit auf dich als eventuell ein männliches Pendant. Vor allem, wenn sowieso nicht viele Frauen im Wasser sind. So alt wie die Menschheit: Etwas außergewöhnliches bekommt mehr Aufmerksamkeit als Gewohntes.

Das ist dann wie bei zwei Hunden, die das erste Mal aufeinander treffen: Man wird beschnuppert. Jetzt stellt man sich aber am besten keinen aggressiven Kläffer vor, der dich zerfleischen will, sondern einfach einen Streuner, der interessiert ist und vielleicht nur spielen will – so empfinde ich das! Ein nettes Hallo und Lächeln (also etwas simples menschliches, das jedem von uns gut tut) lockert die Stimmung auf und das Männchen lächelt in den meisten Fällen auch freundlich zurück!

Anders als oft beschrieben, empfinde ich meine Rolle als weibliche Surferin sogar oft als sehr positiv.

Sonderbehandlung erwünscht?

Solange man sich an die Regeln hält und kein Sondertreatment erwartet, WEIL man eine Frau ist (etwas, auf das ich später näher eingehen möchte), läuft die Sache rund und man kann sich relativ schnell im Line-Up wohl fühlen – egal, wie gut man surft! Das war bei mir schon von Anbeginn der Zeit so!

Die gesamte Session auf der shoulder sitzen ist keine gute Idee – du musst zeigen, dass du da bist! Deutlich machen, dass du dir deine Wellen, genau wie jeder andere auch, verdienen möchtest – nur dann wirst du ernst genommen!

It’s all about comittment!

Was immer und überall im Leben zählt, also auch beim Surfen, ist Committement!

Wenn du dich im Wasser mit der Einstellung vorstellst: „Oh, na toll, jetzt werde ich unterbewertet und muss mich beweisen“, dann wirst du das auch genauso ausstrahlen! Diese Ausstrahlung wird nie jemanden dazu einladen, sich mit dir auch nur im geringsten auseinander zu setzen. Würde ein Kerl mit dieser Einstellung da reinkommen, hätte er genauso wenig Chancen im Line-Up!

Paddel mit vollem Einsatz in die Wellen, sei freundlich und achte auf die Surf-Etikette – du wirst als gleichwertig beachtet und dein comittment respektiert werden! Auch wenn du Wellen vermeierst, dein Einsatz ist das, was hauptsächlich zählt – wenn du direkt die nächste Welle nach einem wipe-out anpaddelst, dann gibt das Pluspunkte!

Wir Frauen müssen aufhören zu glauben, dass Männer uns das Leben in Line-Ups schwer machen.

Stattdessen sollte es für uns heißen: „Ich surfe und ich hab Bock auf Wellen! Let’s do it!“

Deine Belohnung: Respekt – und gute Wellen!

Wenn du für deine Wellen kämpft und arbeitest, dann wird das mit Respekt belohnt! Vor allem, wenn du dich auch in größere Wellen traust! Der Respekt für uns Frauen wird uns auch gerne mal direkt mitgeteilt – das finde ich großartig!

Etwas, das ich mir auch für die männlichen Surfer wünsche… da haben wir Frauen ja fast schon einen Vorteil!

Als Frau im Line-Up ist es einfacher, ein Gespräch zu starten, auch die Unterstützung durch andere Surfer kommt eher – eigentlich etwas, das auch mal für die Jungs cool wäre, die nicht der Ober-Pro sind und ebenfalls für ihren Wellen-Count kämpfen müssen!

Fotocredit Benjamin Park

Augenzwinkern für eine Welle

Etwas, für das ich mich regelrecht fremdschämen muss: Aktionen, bei denen Frauen ihre Rolle  als das „schwache Geschlecht“ im Line-Up ausnutzen. Ich erinnere mich dabei an Costa Rica zurück. Neben mir eine Mädels-Truppe, die ohne jegliche Umsicht, und ich behaupte berechnend, in Wellen reindroppten und danach mit einem Augenzwinkern „Oh, excuse me“ alles aus der Welt schaffen!

Es geht sogar noch schlimmer: Surfer-Girls, die um Wellen betteln (habe ich einmalig erlebt) – also tatsächlich den Kerl, der Priority hat, anflehen „Oh please please, leave that one to me!“

Also Mädels, PFUI! Geht gar nicht!

Mir wurde das Spiel dann sogar erklärt: „Hey, du bist eine Frau! Du musst nur flehen und fragen, dann lassen die dich auch mal ran!“

Say what??? Meine Antwort darauf ist ja wohl klar: „Nah, all good, you earn it or you don’t surf!“

Auch in meinem Surfunterricht wurde ein solcher Comment schon rausgelassen, nachdem ich die Vorfahrtsregeln erklärt habe: Dass es da eine klare Ansage gab, müsste jetzt deutlich geworden sein!

Verdutzte Gesichter!

Unterschied Boardshorts und Bikini – mein Fazit

Also, in meiner Welt haben Frauen ebenso die Chance zu beweisen, dass sie Bock auf Wellen haben! Gleiches Recht auf Wellen und gleiche Regeln im Line-Up für beide Geschlechter!

Ja, wir Frauen werden vielleicht mehr beachtet als ihr Kerle – und trotzdem gilt:  Committment und keine Sonderbehandlung! Behaupte ich zumindest! Und viele coole Surf-Chicas, die ich unterwegs getroffen habe, würden mir da zustimmen!

Für mich lautet das Fazit für alle:

Gebt Vollgas in den Wellen! Habt Spaß! Helft euch gegenseitig! Und stellt euch keine geschlechtsspezifischen Schranken in den Kopf, die dann auch welche im Wasser sind!

Commitment!

Egal, ob Mann oder Frau! Ob Boardshorts oder Bikini!

Oder wie sind eure Erfahrung damit? Vielleicht hatte ich bisher nur Glück? Wie ist eure Realität? Postet gerne hier in die Kommentare oder schaut bei Pana auf ihrem Blog TakeOffandTravel vorbei:

Surfbrett packen und ab damit um die Welt? Seit November 2014 macht Pana genau das! Auf ihrem Blog TakeOffandTravel gibt sie ihr Wissen weiter und berichtet von geilen Surfspots, von Fortschritten und Rückschlägen auf dem Surfbrett und von all dem, was dir als Surfer und Mensch unterwegs begegnen kann. Immer mit Tipps und Hinweisen für ebenso Surfsüchtige wie sie selbst. Surf.Travel.Befree.Worldwide! TakeOffandTravel!

Folge mir ins Line-Up und du bist garantiert immer informiert, was rund ums Surfen, Kitesurfen und den anderen Actionsportarten passiert!

3 Kommentare
  1. Pana
    Pana says:

    Hey Pascal!

    Danke für deine Rückmeldung! Freut mich! 🙂

    So ein Eindruck wurde mir schon von mehreren Männern geschildert!
    Ich würde mir für alle wünschen, dass das Line-Up IMMER entspannt bleiben kann – egal ob mit oder ohne Frauen! 🙂

    Beste Grüße, Pana

    Antworten
  2. Pascal
    Pascal says:

    Muchas gracias.
    Sehr schön und ehrlich.
    Ich freue mich immer sehr, wenn ein (oder ein paar) Mädels raus paddeln. Das macht die Stimmung im Line up normalerweise gleich viel entspannter. Nicht das Frauen ein Garant für gute Vibes sind, aber in den meisten Fällen tragen sie sehr viel dazu bei, nur schon durch ihre Anwesenheit. Danke dafür…

    Antworten

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