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Sustainable Surfen: So gehst du auf einen nachhaltigen Surftrip

7 Tipps, wie du ohne (allzu) schlechtes Gewissen rund um den Globus auf Wellenjagd gehen kannst

Reisen ist toll, reisen im Rahmen eines Surftrips ist noch besser! Vor allem für landlocked-Surfer gehört es einfach dazu – ohne lange Autofahrt oder Flugreis keine Welle! Was dabei aber oft vergessen wird ist die Umweltverschmutzung, die wir verursachen, wenn wir uns rund um den Globus auf die Jagd nach Wellen machen. Was kannst du als Boardsportler dagegen tun? Hier sind sieben Ansätze für nachhaltiges Surfen!

Vor jedem Surftrip stelle ich mir die gleiche Frage: Inwieweit kann ich meine Leidenschaft „Wellenreiten“ ausleben, ohne dabei den blauen Planeten allzu sehr zu beeinträchtigen? Der Traum, die perfekten Wellen in Bali, Nicaragua oder Sri Lanka zu surfen, lässt sich eben nur mit einem Flugzeug verwirklichen. Es gibt sicher Menschen, die würden ganz auf ihr Hobby verzichten oder sich mit den Wellen in Ost- und Nordsee zufrieden geben – ich kann das nicht! Nennt mich schwach und ignorant, aber die Sucht nach einem perfekten Righthander in Boardshorts ist einfach (noch) zu groß. Gleichzeitig versuche ich aber, mein Gewissen etwas zu erleichtern – sieben Tipps auf dem Weg zum nachhaltigen Surfer.

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Surf mit mir auf der grünen Welle

Ich versuche von Jahr zu Jahr mehr, meine „Surf-Sünden“ irgendwie zu kompensieren – das ist vielleicht nur ein kleiner Bruchteil dessen, was ich verursache, aber es ist ein erster Schritt. Wenn jeder Surfer auf diesem Planeten sich nur etwas bemüht, ist das zusammen genommen ein ganz großer Schritt in die richtige Richtung. Inzwischen gibt es viele Start-Ups, kleine Unternehmen und Marken, die sich ebenfalls dem „grünen Gedanken“ verschrieben haben – in den folgenden Kapiteln lernst du einige davon kennen! Auch die WSL, die Profitour der Surfer hat sich mit dem Thema auseinandergesetzt:

Zusammen mit Stefany Seipp, Profi in Sachen nachhaltiges Reisen und Geschäftsführerin der Informations- und Kommunikationsplattform Green Pearls, habe ich Tipps zusammen getragen, wie jeder von uns einen nachhaltigen Surftrip starten kann! Ich freue mich sehr, wenn du  ebenfalls solche „Bio-Surfer“ kennst und diese in den Kommentaren verlinkst.

1. Beim nachhaltigen Surftrip ist der Weg das Ziel

Klimaschutz-Beitrag
Nachhaltiger Surfurlaub scheint schon bei der Anreise zur Unmöglichkeit zu mutieren. Wer landlocked-Surfer ist und nicht das Glück hat, an einem Meer mit Surfbedingungen zu wohnen, der muss sich meistens in den Flieger setzen und der ökologische Fußabdruck bekommt plötzlich die Schuhgröße 56. Um wieder in Richtung Kindergröße zu marschieren, kann man auf manchen Flügen einen Klimaschutzbeitrag leisten.

Kurze Wege
Manchmal will aber Surfhunger und schlechtes Gewissen gleichzeitig befriedigt werden. Wie wär’s dann einfach mit einer Surfdestination, die etwas näherliegt. Surfspots auf Sylt oder in Portugal sind mit ein bisschen Geduld auch ohne Kerosinschleuder erreichbar. Selbst nach Marokko geht es mit dem Bulli – inklusive super Surftrip entlang der europäischen Atlantikküste.

Doppel L
Die zwei L’s der Bedächtigkeit: Lang und langsam. Wenn schon ein Langstreckenflug sein muss, dann wenigstens richtig. Nimm Dir Zeit, um Land und Leute (schon wieder 2 L’s) kennen und schätzen zu lernen und verlasse Dich vor Ort auf öffentliche Verkehrsmittel. Aus eigener Erfahrung: ziemlich lange kann man es als Surfer zum Beispiel in Bali, Marokko oder Südamerika aushalten.

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2. Surfer können unterwegs nachhaltig wohnen

Von einem nachhaltigen Hotel bis Couchsurfing ist alles möglich. Wenn die Wahl aufs Hotel fällt, ist auf jeden Fall auf den Umgang mit Ressourcen, wie Wasser und Energie, und eine reduzierte Müllproduktion zu achten. Dabei helfen Siegel wie Green Key Global, Green Globe International, Green Seal und EcoRooms & Eco Suites – viele dieser „grünen“ Unterkünfte findest du auf der Eco-Plattform greenpearls. An der Algarve zum Beispiel setzt das Vida Pura die Idee der Nachhaltigkeit beindruckend konsequent um.

Wie wär’s sonst alternativ mit Airbnb oder guesttoguest? So nah am Geschehen warst Du noch nie und Du unterstützt so gleichzeitig die locals. Vergiss nicht, dass Du Gast bist-  und Gastfreundschaft sollte auf Gegenseitigkeit beruhen.

Surfen an der Algarve

3. Du bist der (nachhaltige) Gast im Surfer-Paradies

Respect the locals
Eure Unterkunft und Reise kann noch so ökologisch gestaltet sein, Nachhaltigkeit funktioniert aber erst, wenn auch das Paradies was davon hat. Dein Reisebudget an internationale Ketten und Großinvestoren zu verpulvern, zieht den Menschen vor Ort die Lebensgrundlage aus der Tasche. Setze besser auf regionale Surfschulen, Unterkünfte, etc. Gute Beispiel sind die Surfcamps „The Surf Experience“ in Portugal oder das A-Frame-Surfcamp in Spanien, die ausschließlich mit Locals in Sachen Surf- und Yogakurse zusammenarbeiten.

Eco-Food für hungrige Surfer
Wenn Du jemand bist, der auch im Urlaub sein Schnitzel essen will, egal wo er/sie hinreist – nun ja – dann Prost, Mahlzeit. Regionales Essen und traditionelle Gerichte gehören ebenso zu einer nachhaltigen Reise und sind außerdem wie Bio-Dünger für Deinen kulturellen Horizont.

Surfen an der Algarve

4. Mit deinem Surf-Material auf der grünen Welle

Recyclebare Surfboards
Wer hätte das gedacht, dass man mit Giftschleudern surfen kann! Was Du Dir üblicherweise zwischen Füße und Welle klemmst, ist schon bei der Herstellung toxisch und am Ende unmöglich zu recyclen. Es gibt Alternativen, die nicht nur nachhaltig sind sondern auch noch eine spannende Geschichte für dein Holzsurfbrett liefern.

Hoch oben in den Schweizer Alpen sitzen die Jungs von Enlain und bauen dort ihre qualitativ super-hochwertigen Surfboards aus Holz. Wer mag, kann auch an einem der Workshops teilnehmen und seine Planke gleich selber bauen! Eine weitere Alternative sind recyclebare Boards aus IX-PS-Hartschaum, die immerhin umweltschonend verbrennbar sind. Die Jungs von NOTOX Surfboards aus Frankreich bauen nachhaltige Planken und inzwischen gibt es sogar Surfbretter aus Kork.

Wenn du dein Surfbrett für den Transport einpackst gibt es eine super Alternative zur Blubbre-Plastikfolie – die Jungs von Flexi-Hex haben nachhaltiges Verpackungsmaterial entwickelt.

Nachhaltiger Neoprenanzug und grüne Strandmode
Auch Wetsuits sind zumeist problematisch, außer Du besorgst Dir einen aus Naturkautschuk. Inzwischen gibt es Anbieter wie zum Beispiel Patagonia, die ihre Wetsuits ohne Rohöl produzieren. Die Anzüge sind teurer als der Durchschnitt – aber hey, welcher Surfer kann schon von sich behaupten, nachhaltig gekleidet im Lineup zu sitzen?!

Inzwischen gibt es auch für Surferinnen surf-spezifische Bikinis, die umweltverträglich produziert werden. Ladies – hier entlang: Insaka, Josea, Tinka Blu.

Auf der Suche nach dem nachhaltigen Surfwachs
Beim Surf Wax, das meist aus Erdöl oder aus Soja aus Monokulturen hergestellt wird, sieht’s nicht anders aus. Bei unserer Recherche hatten wir tatsächlich Schwierigkeiten, ein nachweislich ökologisches Produkt zu finden. Auch in Deutschland gab und gibt es immer wieder Versuche, korrektes Surfwachs zu produzieren – bisher sind aber alle Versuche am Geld gescheitert.

Die richtige Hülle für Dein Surfboard bekommst Du mit recycelten Boardbags oder welchen aus Pandan-Blättern. Ein super Angebot von Klabauter in Hamburg – die Jungs machen aus deinem alten Neoprenanzug einen Boardbag!

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5. Dress to impress

Nachhaltige Klamotten waren bisher als Hippi-Mode abgestempelt – die Zeiten sind längst vorbei. Vom Hamburger Hipster bis zum marokkanischen Surfer kleiden sich inzwischen viele Menschen in der Surfwelt nachhaltig – ohne dabei auf den individuellen Style verzichten zu müssen. Das Angebot ist inzwischen riesig, aber auch hier gilt es, die kleinen Labels und Marken zu unterstützen.

Mein persönlicher Tipp für angesagte nachhaltige Marke ist der supercoole kleine Laden Fairfitters in Köln, wo du alle möglichen nachhaltigen Klamotten und Accessoires findest – auch für Boardsportler! Wer komplett beim  Surf-Style bleiben möchte, der kann in diversen Städten bei Langbrett reinschauen oder die Marken Bleed Clothing und Twothirds abchecken.

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6. Zero Waste – auch bei Brettsportlern

Wenn Müll zu produzieren nicht so unheimlich bequem wäre, niemand würde freiwillig Mülleimer füllen. Über allem thront natürlich die Aufgabe, endlich auf dieses sch… Plastik zu verzichten. Inzwischen gibt es viele engagierte Menschen wie das cleanoceanproject, die dagegen vorgehen, aber es können nie genug sein. Um den inneren Schweinehund zu überwinden, und im Urlaub (und zuhause) auf die Zero-Waste-Schiene aufzuspringen, gibt’s einige super-einfache Kniffe (Kinder, bitte unbedingt zuhause nachmachen!):

  • Stoffbeutel zum Einkaufen mitnehmen statt Plastikbeutel
  • Eigenes Mehrweg-Besteck statt Plastikbesteck verwenden, oder das Besteck aus Weizenkleie gleich mitessen
  • Festes Shampoo und Seife verwenden – hart aber fair
  • Zahnbürsten mit austauschbarem Bürstenkopf und wiederverwendbaren Griff, so musst Du nicht immer die ganze Zahnbürste wegwerfen – gibts zum Beispiel von Hydrophil.
  • Wiederbefüllbare Trinkflasche und Thermoskanne mitnehmen, gegebenenfalls auch mit Filter, wenn das Leitungswasser in Deinem Zielland nicht direkt trinkbar ist
  • auch beim Sonnenschutz, den wir Surfer ja doch in und wieder benötigen, kann auch die Umweltverträglichkeit geachtet werden.

In der Theorie wäre es bestimmt möglich kein einziges Stück Müll zu produzieren, aber da die Praxis meistens anders aussieht, bleibt nur noch der ultimative Pro-Tipp: Lasst den Dreck zumindest nicht am Strand liegen.

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Werde zwischen den Surf-Sessions aktiv

Findest Du auf Deinem Sandstrand schon mehr Plastikteile als Sandkörner? Bali hat vor einigen Wochen den Notstand ausgerufen, weil Kuta Beach mit Plastikmüll übersät war. Manchmal haben die Menschen vor Ort nicht das Wissen oder die Ressourcen, um dagegen vorzugehen – wieso also nicht direkt selbst Hand anlegen?

Wie wär’s dann mit einem beach clean up? Hier kannst du online nachschauen, ob der nächste Beach Cleanup in deiner Nähe statt findet. Dein Engagement wird mit einem makellosen Strand, einem guten Gewissen und neuen Bekanntschaften belohnt, die bestimmt mit Dir auf einer Wellenlänge sind. Gemeinsam hat auch der Surftrip eben schon immer mehr Spaß gemacht.

Und hier ist eine Auswahl an Organisation, an denen zu partizipieren oder die du unterstützen kannst:

Bist du ein nachhaltiger Surfer?

Sport in der Natur setzt Achtsamkeit und Bedacht auf die Umwelt voraus, will man eins werden mit der Umgebung in der man sich bewegen darf. Wer Wellen und Bucht nicht kennt, wird schnell wieder abgeworfen und das Meer ist nachtragend und spült Dir Deinen Müll noch um die Ohren, wenn Du schon längst vergessen hast, ihn dort reingeworfen zu haben.

Jeder von uns ist bei diesem Thema gefragt – JEDER!

Falls du noch weitere Ideen, Anregungen oder nachhaltige Organisationen und Marken hast, dann freue ich mich über deinen Kommentar!

Kitesurfen in Westaustralien
Surfen Lübecker Bucht
4 Kommentare
  1. Soulmush | Salt Vibes & Van Life
    Soulmush | Salt Vibes & Van Life says:

    Sehr schöner Artikel Stefan. Wir haben das Thema ökologische, bzw nachhaltige Surfprodukte ja bereits vor einiger Zeit bei uns im Blog beleuchtet und natürlich darf dazu ein umfangreicher Artikel zum nachhaltigen Leben & Reisen nicht fehlen … Fortsetzung folgt also alsbald 🙂

    Antworten

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