Saltwater-Shop: Kollektiver Salzwasser-Geschmack – das Interview

Beim Kitesurf-Worldcup in St. Peter Ording habe ich diese Woche einen tollen kleinen Stand entdeckt, der Produkte rund um Surfen, Kiten und Brettsportarten verkauft – zugegeben, das alleine ist keine bahnbrechende Neuigkeit. Das Besondere aber war, das dort ausschließlich Utensilien von unbekannten Brands, Labels und Künstlern feil geboten werden. Zudem war das meiste mit dem Siegel „Fairtrade, Bio und Nachhaltig“ versehen. Cool hab ich gedacht, das muss es in der „Surf-Metropole“ Hamburg doch eigentlich auch geben – und: Bingo! Ergebnis meiner kleinen Recherche: Die Jungs vom Surf & Skate Festival sind auch hier aktiv und folgen Ihrer Leidenschaft zum Brettsport. 

Lest hier ein Interview mit dem Saltwater-Shop-Manager Oliver Dauert – und, weil sie  wirklich gut drauf sind gibt es direkt nächste Woche eine gemeinsame Aktion auf travelonboards, die Euch ganz besondere Surf- und Reise-Utensilien beschert – stay tuned!

Die Surf & Skate Festival-Saison ist vorbeiund die Jungs von Mitveranstalter „Island Collective“ kommen nach den anstrengenden, aber erfolgreichen und schönen Wochen wieder etwas zum Durchatmen. Erst mal Füße hochlegen und Surf-Trippin? Auf keinen Fall – schließlich hat das Collective noch ein paar andere „Spots“ im Portfolio, die bearbeitet werden wollen. Zum Beispiel der „Saltwater Shop“ – das jüngste Mitglied im kleinen „Firmen-Imperium“.

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Oliver Dauert (rechts im Bild) – Manager des Saltwater Shops

Ein etwas tristes Bürogebäude im Süden Hamburgs, die Nachbarn sind Groß-Tankstellen, Küchenmöbelhäuser und Autovermietungen. Hamburg mal ganz unsexy – aber ganz egal, denn durch den vierten Stock des Hauses strömt eine ordentliche Portion Sommer, Sonne und jede Menge Surfen. Kein Wunder – hier ist der Homespot des Island Collective. Oliver bittet mich in den Showroom des Saltwater Shops – umgeben von Surf-Utensilien, der neuen Klamotten-Kollektion und mit dem Geruch von Surfwax in der Nase schnacken wir drauf los. Am berühmten Bondi-Beach in Australien hat er das Surfen gelernt, nach einem Studium in Frankfurt ist er dann für ein knappes Jahr in Biarritz gelandet – arbeiten und jede Menge Surfen stand auf dem Programm. Seit drei Monaten ist Oliver nun beim Island Collective in Hamburg – und davon mega gestoked! Sein Wellen-Count ist allerdings mit dem Job-Antritt drastisch gesunken!

travelonboards: Oli, du hast während der Festival-Saison wahrscheinlich eher im eigenen Schweiß als im Line-Up gebadet, oder?

Oliver: Das stimmt, Zeit zum Surfen hatten wir kaum. Es war ziemlich anstrengend, hat aber sehr viel Spaß gemacht und das Feedback aus der Szene war wirklich toll. Ich war ziemlich platt, aber glücklich! Kürzlich sind wir an unseren Ostsee-Homespot gefahren, und es hat richtig geballert. In unserem Office surfen zum Glück fast alle, auch die Chefs, deshalb ist bei Swell auch mal kollektiv früher Feierabend angesagt!

travelonboards: Klär mich mal bitte auf – bei dem Wachstum eures kleinen Firmen-Imperiums kommt man ja gar nicht mehr mit. Ihr macht doch noch viel mehr als nur das Surf & Skate Festival?

Oliver: Stimmt! Honolulu Events gibt es schon seit 2005, meine beiden Chefs Christoph Zingelmann und Florian Laudon haben die Agentur während ihrer Studienzeit gegründet. Das Surf & Skate Festival war und ist eine gute Basis, aber davon Familien ernähren kann man nicht. Deshalb war es nach zehn Jahren Erfahrung sammeln, Netzwerke aufbauen und Wissen anhäufen die logische Konsequenz, den nächsten Schritt zu gehen – das Ergebnis ist das Island Collective. Das Collective kümmert sich jetzt als Marketing- und Kommunikationsagentur um die Wünsche der Kunden im Lifestyle und Trendsport-Segment. Alle anderen Ideen und Zweige wie eben Honolulu Events, Lets Go Surfing Clothing und der Saltwater Shop bleiben natürlich bestehen – nur jetzt unter dem Oberbegriff Island Collective. Inzwischen sind wir ein cooles Team und tolles Netzwerk – und ein Teil davon ist mein Baby, der Saltwater Shop.

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Super, wenn die Chefs surfen: Christoph Zingelten und Florian Laudon

travelonboards: Mit Verlaub, Surfshops on- und offline gibt es – Achtung Wortwitz – wie Sand am Meer,  macht das überhaupt noch Sinn?

Oliver: Na klar – der Saltwater Shop geht nämlich in eine andere Richtung als alle anderen Surfshops. Wir haben keine etablierten, großen Surfmarken – unser Ding sind eher die kleinen, noch unbekannten Labels, Brands und Sportler. Im Fokus stehen die kleinen Brands, die in den großen Onlineshops oder im Handel keine Chance haben – und sie müssen wie wir die Liebe zum Bordsport teilen!

travelonboards: Wie ist die Idee entstanden, euch auch diese Nischenprodukte zu konzentrieren?

Oliver: Meine Chefs, Zingel und Florian, haben auf ihren Surftrips immer lokale Surf-Produkte entdeckt, die es in Deutschland so nicht gab – und irgendwann hat sie das so genervt, dass sie die Dinge einfach selber mit nach Deutschland gebracht haben. Wir wollen der Szene das zugänglich machen, worauf wir selber auch Bock haben, was wirklich praktisch, nachhaltig und gut ist. Mein Anspruch ist es, die Emotionen zu transportieren, die ich beim Surfen erlebe – und das geht besser mit anständigen und wirklich praktischen Produkten. Wir wollen einfach mit kreativen und innovativen Leuten zusammen arbeiten, die den Surf-Spirit so wie wir leben und lieben.

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Ein Teil der fairen Biomasse im Saltwater-Shop

travelonboards: Ihr habt euch dem Fairtrade und der Nachhaltigkeit verschrieben – kennt ihr den Ursprung all eurer Produkte!

Oliver: Natürlich würden wir gerne bei jedem Produkt persönlich überprüfen, wo es unter welchen Bedingungen hergestellt wird – aber das ist für uns leider zeitlich und finanziell (noch) nicht zu stemmen. 100-prozentige Transparenz ist schwierig – aber Fairtrade und Bio stehen bei uns definitiv an erster Stelle! Wir legen sehr großen Wert darauf, mit den Machern der Produkte persönlich zu sprechen – und sei es  über Skype. Und wir arbeiten mit vielen deutschen Marken zusammen, da wissen wir natürlich ganz genau, wie es hergestellt wird. Viele Produkte in unserem Regal kommen von Leuten, die wir seit Jahren aus der Szene persönlich kennen – ein gutes Beispiel dafür sind die Jungs von Hydrophil: Wir kennen uns schon sehr lange und wissen aus persönlicher Erfahrung, wie Hydrophil drauf ist und dass zum Beispiel ihre ganze Produktpalette vegan und fairtrade ist.

travelonboards: Würdest du Surfer als anspruchsvolle Kunden bezeichnen? 

Oliver: Wir haben diesbezüglich gerade jede Menge Erfahrung in unseren Pop-Up-Stores während der Festivals gesammelt. Viele kommen mit detaillierten Fragen: Woher kommt das? Ist das vegan? Fairtrade? Ich war wirklich positiv überrascht, wie interessiert die Leute sind. Und ich habe Spaß daran, die Geschichte und Herkunft der Labels und der Produkte zu erzählen. Außerdem können die Kunden dann besser nachvollziehen, warum bei uns ein T-Shirt eben 30 Euro statt nur fünf Euro wie bei einer Modekette kostet. Die meisten Surfer sind nicht reich, aber ihr Lifestyle ist ihnen etwas wert – und für eine gute, nachhaltige Sache sind die meisten bereit, ein paar Euro mehr zu bezahlen.

travelonboards: Der Saltwater Shop ist noch recht jung – wie geht es denn weiter mit euch?
Welche Ziele, Visionen und Wünsche möchtet ihr langfristig realisieren?

Oliver: Das stimmt, uns gibt es erst seit eineinhalb Jahren. Noch sind wir ein reiner Onlineshop, aber früher oder später wird es bestimmt auch einen analogen Laden geben. Ansonsten ist es unser Ziel, junge Designer, Künstler, Autoren, Sportler und andere Kreative zu pushen, die Bock auf Surfen und den Lifestyle drumherum haben. Mein persönlicher Anspruch ist es, Brands, Produkte und Menschen zu finden, die es so noch nicht in der deutschen Surfer-Szene gibt – analog oder digital. Zum Beispiel finde ich es Hammer, was die drei Jungs Marcel, Kevin und Jonas mit dem Clean Drop Indonesia Projekt ins Leben gerufen haben – so etwas unterstützen wir natürlich sehr gerne und supporten das auf unseren Social Media Kanälen.

Du bist den ganzen Tag vom Surfen umgeben – hast du da nicht manchmal Entzugserscheinungen?

Oliver: Na klar, aber das Island Collective und der Saltwater Shop sind meine Ersatzdroge. Ich beschäftige mich den ganzen Tag mit dem, was ich liebe, wofür ich lebe. Mein Hobby, meine Leidenschaft ist meine Arbeit – besser geht es doch nicht. Außerdem ist ein surfender Chef perfekt, der kann nachvollziehen wie es kribbelt, wenn der Swell-Forecast eine rote Farbe annimmt. Und es geht demnächst tatsächlich ins echte Line-Up – ich düse runter nach Süd-Frankreich und werde ein wenig auf Vorrat surfen.

travelonboards: Oli, vielen Dank für das Gespräch und viel Spaß und gute Wellen in Frankreich wünsche ich!

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